Mittwoch, 28. Juni 2017

Traumpartner Bastelsatz


[ ...nach 2 Tagen mit viel Text
jetzt mal wieder was zum Durchatmen.

Sie brauchen das.
Ich brauche das.

Und wo wir gerade dabei sind:

Was brauchen Sie denn noch so?
In Ihrem Leben, an Ihrer Seite?


Was ist ein must-have,
was ist verzichtbar?

Los geht's: Basteln Sie sich Ihrem Traumpartner!
Aber wie immer im Leben gilt: ALLES kann man nicht haben...

Ach ja, und: Die Preise sind nicht verhandelbar.
Und nein, Sie dürfen NICHT zusammenlegen! ] 















Dienstag, 27. Juni 2017

Salz


"Was für ein Jahrgang bist Du nochmal?"

fragt mich die fast* junge Frau unvermittelt am Telefon.

Kurz stockt mein Atem.
Heute habe ich mir von ihr schon verhältnismäßig viel um die Ohren hauen lassen müssen.

Und gemessen an unseren sonstigen Klärungsdialogen war heute auch
die Härte Ihrer Aufschläge Nadal-mäßig. Und die ihrer Abschlussbälle auch.










Dabei hatte ich die Frage nach meinem Jahrgang geradezu provoziert:

Wer von seiner Ausbildungszeit erzählt und erwähnt, dass bei ihm im Jahrgang
"zum ersten Mal Mädels aus dem wilden Osten" mit dabei waren, der provoziert ja
am andere Ende des Telefons geradezu mathematische Jahresadditionen.

Das Telefonat an sich zu führen war gut investierte Zeit,
dazu von mir taktisch nicht unclever:
Die Stunde WhatsApp, die ihm vorausgegangen war, musste wohl
unter "unentspannt" verbucht werden. Es gab halt Dinge zu klären.

Aber ich hab immer noch eine Stimme wie Elmar Gunsch.
Von der ich weiß: Die könnte heute noch ziehen bei ihr.
Also: Ein Telefonat könnte den Abend noch richtig gut werden lassen, Zauberclown.

Und so telefonieren wir.
Und es gibt sie wieder, die Phasen, in denen sie lacht.

Ihr Lachen hat etwas Herzerwärmendes.
Obwohl ihre Stimme mir bisweilen etwas betont gleichmütig klingt.
Und eigentlich vergeht kein Tag, an dem sie mich nicht mit irgendetwas verwirrt.

Aber es gibt sie - diese Phasen, in denen wir seelische Phasengleichheit erreichen.
Ein Eiskunstpaarlauf der Seelen.
Es könnte sie ruhig öfter geben - diese Phasen üben Heilwirkung aus auf mich.

Und dann diese Geschichte mit dem Salz.
An die werde ich mein Leben lang denken.
Und sollte ich mal Enkel haben, dann werden die sie erzählt bekommen.
So lange, bis sie schreiend mit beiden Händen auf den Ohren hinaus laufen.

Als wir davon sprechen, wie jeder von uns so mit seinen Geistern kämpft.
Und die Zeit dieser Geister meistens spät abends kommt.
Oder nachts.

Wenn man sich nicht mit "mal eben nach draußen gehen" ins Tageslicht retten kann.
In den wärmenden Schutz einer gütigen Sonne.
Nein, der dunklen Gedanken Zeit ist die Dunkelheit.

Und wie ich dann per WhatsApp herumalbere, dass doch Salz
ein total probates Mittel sei gegen Geister - die hätten nämlich Angst vor Salz.
Weshalb man stets Salz im Haus haben solle.

Und als unser Gespräch und unser Kontakt lange beendet ist,
und ich nachts im Bett liege, und mir denke:


Schick ihr doch per Amaz0n eine kleine Auswahl Geschenk-Salze.

Verschiedene Salze. Zum Bekämpfen verschiedener Geister.


Wie ich die kleine Grußkarte ausfülle und mit einem Lächeln im Gesicht die Order aufgebe.
Nicht wissend, dass sie im gleichen Moment daheim ebenfalls ein Päckchen packt.
Ebenfalls mit Salz gefüllt.
Gegen meine Geister.

Unsere Gesichter, als uns klar wird, dass wir im gleichen Moment
den gleichen Gedanken hatten.
Für den Anderen.
Eine Sternstunde des Eiskunstpaarlaufs.

"Ich bin Jahrgang siebzig", sage ich, nach einem die Stimme stabilisierenden, tiefen Einatmen,
welches mir nicht leicht fällt, weil die Bronchien auf tiefes Einatmen immer noch heftig reagieren.

Sie nimmt die Antwort wie selbstverständlich auf.
"Wenigstens habe ich keine '6' vorne stehen" schiebe ich noch etwas verunsichert nach, und betrachtet man es bei Lichte, habe ich mit dem dummen Nachsatz eigentlich schon alles wieder versaut.

"Ach. Das ist okay" sagt sie.
Und mir fällt ein Fels vom Herzen, dessen markerschütterndes Poltern
die Abhänge meiner Seele hinab ins Dunkel ich nur durch Drücken der "Stumm"-Taste
auf dem Handy zu unterdrücken vermag.

*dafür kriege ich noch was zu hören, for sure.

Montag, 26. Juni 2017

7 days and 1 week KW 25


[ So hießen die "Wochenrückblicke" im
vorherigen Blog. Ich kehre dazu zurück.

Außerdem war es mir ein Graus, jedes Mal
Buchstabe für Buchstabe W o c h e n r ü c k b l i c k
rückwärts zu tippen.

Zumal sich der joke auch nicht Jedem erschlossen hat.

Der heutige post zeigt eine recht hässliche Seite von mir,
Sie werden schon sehen.

Falls Sie dies in Ihren Kommentaren zum Ausdruck bringen möchten:
Nur zu, es ist gestattet.
Aber ich weiß das bereits. ]


Montag


Das Schlechte an Montagen:    Es ist Montag.
Das Gute an Montagen:            Ich hab zumindest Teile des Tages wieder für mich allein.


Ich fahre nach Karlsruhe. Was ja schon an sich ein Fehler ist.
Allein der Dialekt, ich könnte kotzen.
Und was durch die anderen (in Teilen minderbemittelten) Teilnehmer des deutschen Straßenverkehrs nicht wirklich spaßiger wird.

Auf dem Weg dahin frage ich mich, ob wirklich jede in die Heckscheibe reingeklebte Werbung ihren zugedachten Zweck erfüllt - klar, man soll nicht vom Auto (oder Gebäude) auf die Qualität der Dienstleistung schließen.


Aber ein alter SMART als Werbeträger für eine Versicherung-Immobilien-Kapitalanlagen-Dienstleistung? Dann hat's zu mehr vermutlich nie gereicht?
Und das sagt nun auch nicht wirklich etwas über den Anbieter aus, was in mir Vertrauen weckt.

Und da wir sowieso gerade von Autos reden und im Stau stehen (es ist ja Montag in Süddeutschland, wo SONST könnten Sie sein?!) - sagte ich schon, dass der i5 ein unglaublich hässliches Auto ist?

Wie so eine asiatische Reis-Schwuchtel-Schüssel.


Natürlich ist der Praxis-Workshop in Karlsruhe so, dass ich hinterher bereit bin,
meine Jahresgehaltsvorstellung in meinen derzeitigen Bewerbungen nochmal
um fünf Riesen zu senken, wenn das hier bloß bitte recht bald aufhören möge.

Stau sei's gedankt komme ich eine halbe Stunde zu spät zu meinem Skypemeeting abends,
aber ich hatte eh noch  keine einzige verschissene Powerpointfolie vorbereitet,
das mache ich bis spät in den letzten Abend hinein.

Und die Gattin hat zu meiner Zeit in Düsseldorf noch nicht eine einzige Frage gestellt.
Nicht mal ein beschissenes "Und, wie war's?"

Dafür hatte sie mir beim Durchgehen der Kofferpackliste 5 Tage vorher
allen Ernstes gesagt "Auf der Liste fehlen Kondome!"

Ich hatte daraufhin die Hände nach oben gedreht, die Schultern angehoben
und mit hochgezogenen Augenbrauen fragend langsam den Kopf hin-und her gedreht.
Und sie hat nichts gesagt.


Dienstag

Und ich sag' noch zur Chefin:

"Checken Sie mal lieber vorab per Rundmail das Interesse an meinem Workshop.
Damit wir nicht überrascht werden von den Anmeldungen."

Und Sie so:

"Nee, das ist jetzt zu spät, meine Sekretärin haut gleich die endgültigen Einladungen raus."

Super. Weiber und Denken.

Geplant und von mir angeboten: 14-16, maximal aber 18 Teilnehmer.
Zusagen nach nur zwei Stunden: 38.
Ich könnte kotzen.

Der Seminarraum wird schnellschnellschnell umgebucht ("das kriegen Sie schon hin, Herr Z.,
ich zähl' auf Sie!"
), alle Tische fliegen raus.
Toll, dann kann sich Keiner mehr Notizen machen, das war ja der Sinn der Sache.

Und natürlich ist es der heißeste Tag des Jahres.
Ich stehe vorne schon vor dem ersten Satz in komplett durchgeschwitztem Hemd
und beginne die dreistündige Veranstaltung um kurz nach zehn bei 32°C.
Tendenz schnell steigend.

Und darf 40 Mann ohne Mikrofon beschallen.
Großartig.

Immerhin zieht mich nach der Veranstaltung Zimtmädchen aus dem Seminarraum
(obwohl ich deaströs aussehe und vermutlich auch rieche) und lädt mich ein zum auswärts essen.

Na, ist DAS nicht lecker?
Da will man doch gleich reinbeißen, oder?


Abends dusche ich zwei Mal und falle heiser und ungefickt ins Bett.


Mittwoch

Halsweh, Kopfweh, Stimme im Keller.
Aber ich fahre zu Cilut - der steht nämlich überhaupt nicht auf ausfallende Friseurtermine.
Und der Nächste ist erst in 5 Wochen möglich.

Meine Peter Steel-Stimme beeindruckt ihn und wir reden über Fleisch.
Wir reden eigentlich die ganzen gottverdammten 18 Jahre über Fleisch.
Und nie übers Ficken.
Wobei das thematisch ja jetzt kein so ganz großer Sprung wäre.

Kennengelernt hatte ich ihn in Ballettstrumpfhosen.
Und ohne Vollbart.
Jetzt sieht er aus wie ein boxender IS-Kommandant und ist noch zutätowierter als damals.

So viel hätte ich ihn zu fragen.
Zum Beispiel wie es ist, sich nach 13 Jahren von seiner Frau zu trennen.
Wie er das damals gemacht hat, trotz zweier Kinder.
Wann der Punkt war, an dem er gemerkt hat, es geht nicht mehr.

Statt dessen bleibt es an der Oberfläche.
An der Grilloberfläche.

Die scharfe Neunzehnjährige im Salon, die immer mit 30% zu wenig Stoff am Leib rumrennt,
wäscht und massiert mir die Haare und deckt meine schweren Gedanken mit einem
heißen, feuchten Handtuch auf meinem Gesicht zu.

Bilde mir ein, es wären ihre Oberschenkel, stecke gedanklich meine Zunge
zwischen ihre Beine und bringe sie mit schnellen Zungenschlägen zum quieken.

Hätte der Tag mehr zu bieten gehabt, ich würde es erzählen.
Außer, dass ich beschließe, jemandem noch schnell ein Einhorn zu schicken,
das nachts leuchtet.

Ich möchte auch jemanden haben, der mir leuchtende Einhörner für die Nächte schenkt.
Sie sind dunkel derzeit.




Donnerstag

Meine Stimme und meine Bronchien sind völlig am Sack.
Pedro und Sauna muss ich absagen.
Aber zur Physio muss ich, der Rücken fängt sonst auch noch wieder an.

Carina knetet mich durch.
Sie war schon mit meiner Frau befreundet, bevor es mich gab, also sehr viele Jahre.

Seit meine Frau mir im Streit mal sagte, sie sei im Freundeskreis damals
vor mir gewarnt worden, suche ich die Quelle.
Lange Zeit hatte ich Carina im Auge.
Vielleicht lag ich richtig.

Aber anders als früher ist sie heute total entspannt und locker mit mir.
Ich hatte nicht immer den Eindruck, dass das so war.

Locker wird unter ihren Händen auch mein Rücken.
Wenngleich der eine oder andere LWS-Wirbel unter ihren Eingriffen kurz jault.

Zum Schluss gibts nochmal 10 min Strom hinten drauf.
Der Captn hat das auch schon probiert.
Allerdings vorne drauf.
Oder eher links-und-rechts-davon angeschlossen.
Hat auch nix gebracht, sagt er.

Ich war ohnehin skeptisch.


Freitag

Auch die heutigen Termine muss ich alle absagen.
Es geht einfach nicht.
Die Stimme ist völlig katastrophal, die Atemwege und der Kopf gehen immer mehr zu.

Ein paar Stunde habe ich Ruhe, bevor die Ehefrau heimkommt (freitags = Putztag).
Letztlich ersetze ich die ausgefallenen Termine nur durch

  1. Anrufe zur-mailbox-wegdrücken
  2. Emails auf Wiedervorlagetermin "nächster Besuch des Kometen Halley" legen und
  3. umfangreiches Masturbieren

Denn die Verhütungs-App der Gattin (die selbstverständlich auch MICH
als den Hauptleidtragenden per message informiert) teilt mir soeben mit,
dass ich dieses Wochenende erst gar nicht nett sein brauche.

Produktiver wird's heute nicht.
Auf Google Maps sehe ich, dass sie von ihrer aktuellen Position aus berechnet
noch 48 min nach Hause braucht.
Ach je, mal wieder die falsche Heimstrecke gefahren, wie oft soll ich es ihr noch sagen.

Dann packe ich Cthulhu halt nochmal aus.
Und gucke, wieviel ich von meiner Frustration in Altmilch umzuwandeln vermag.


Samstag

Gattin ist nachts auf die Couch ausgezogen, weil ich dank verschleimter Atemwege
eine phänomenale Schnarch- und Hustorgie hingelegt habe.

Die wenigen Nachbarn, die mich um halb neun von ihren Balkonen aus
im Schlafanzug im Garten angucken, tun dies mit einer verdächtig intensiven Abscheu
in ihrem Blick.

Sollte vielleicht erwägen, nachts nicht mehr mit weit geöffnetem Fenster zu schlafen.
Ist mir aber eigentlich wumpe.

Gattin ist auffallend lieb und rücksichtsvoll heute, und das schon vor dem Frühstück.
Welches ich auch nicht mehr auf die Reihe kriege und ihr überlasse.

Als sie Frühstück holen geht, schaffe ich gerade noch wach werden + 2 Aufnahmen Rilke,
bevor nur Sekunden später der Schlüssel in der Haustür geht.

Mittags werfe ich das Tomahawksteak über die Schulter und stelle mich draußen an den Grill.

Diesmal springe ich über meinen Schatten (auch, weil ich die enttäuschten Augen der Gattin
vom letzten Mal kein zweites Mal sehen will) und informiere mich vorher im Internet
über die korrekte Zubereitung eines Tomahawksteaks (= Entrecôte/Rib-Eye mit Lenker).

So gerüstet stelle ich mich mit dem nagelneuen Fleischthermometer an die Kugel,
und siehe da, es wird nahezu perfekt.

Anschließend mähe ich noch schnell den Rasen, der sich anfühlt wie ein Stoppelfeld
und pumpe frisches Wasser in den Teich, woraufhin die Fische freudig in den Strahl springen.
Wenigstens die Fische sind begeistert von meinem frischen Strahl.


Sonntag


Endlich beginnt die Armada aus Hausmittelchen und Medikamenten anzuschlagen.
Seit in der Apotheke gezielt nach Zeug gegen Angina gefragt wurde.

Als ich aufwache, ist das Bett neben mir erneut leer, sicher wieder die Lautstärke.
Zum Frühstück habe ich null Hunger, schließe mich aber der Gattin an,
der heute nach Obst + Bircher Müsli ist.

Wenn Einem gerade nix schmeckt, kann man auch gleich mal was Gesundes essen.

Mittags ist Stress-Kochen angesagt, denn man hat sich Steaks und Kartoffeln
und grünen Spargel mit Sauce Hollandaise gewünscht.
In der Küche stehe ich, denn Madame muss ja bügeln.
Nicht, dass ich nicht schon 50x eine Putz- und Bügelhilfe vorgeschlagen hätte.
Egal.

Dieses Mittagessen ist Stress pur für mich - 4 Bestandteile, aber auch 4 Töpfe/Pfannen!
Das alles zeitgleich fertig bekommen?
Da kommt wieder "Spannungsfeld Mann und Multitasking" raus und ich sitze
patschnass geschwitzt am Mittagstisch.
Ein Genuss!

Nachmittags beginnt die Gattin zu packen, sie ist eine Woche weg
und der Lehrgang ist bei Frankfurt.
Ein Wunder, dass der kleine Delsey-Koffer reicht, denke ich mir.

Kurz vor der Abreise kommt sie noch angeschneckelt und neigt den Kopf Richtung Schlafzimmer.
Das finde ich total serviceorientiert:
Nach zweieinhalb Wochen voller guter Gelegenheiten, aber ohne Sex jetzt kurz vor
eine-Woche-weg-auf-Lehrgang noch schnell die Erhaltungsladung abpumpen zu wollen.

Das hat was von Kehrwoche.
Hatten Sie schon mal Oralsex und haben nicht wirklich mitbekommen, wenn sie gekommen sind?
Glauben Sie nicht?
Geht.