Donnerstag, 24. Mai 2018

weißes Papier


[ ...ein für mich schwieriger Songtext.

Erstens mag ich weder die Band noch die Musik zu ihm.

Zweitens entdeckte ich ihn auf dem Boden eines Kleiderschrankes,
tottraurig handgeschrieben von meinem Vorgänger
bei der Besitzerin dieses Schrankes.

Drittens wusste ich nicht, wie aktuell er schon bald
für mich selbst bei dieser Frau werden würde.

Und viertens wurde er für mich plötzlich wieder aktuell.

Wie schon gesagt - ein schwieriger Text. ]


Mittwoch, 23. Mai 2018

auf der Zulassungsstelle


Schon morgens bin ich derart aufgeregt, dass ich meinen
Physio-Termin vergesse.

Und als Pedro kurz bevor ich das Haus verlasse unseren Sauna-Termin absagt,
weil sein Sohn im Kindergarten die Finger eingeklemmt bekommen hat,
wird's nicht wirklich besser.

Eigentlich ist es keine große Sache, ein Auto umzumelden.
Aber für mich ist das Alles Neuland - ich war höchstens zweimal
in meinem Leben auf einer Zulassungsstelle.

Und erstens waren diese zwei Mal damals schon alles Andere als ein Erlebnis,
das geeignet wäre, den Glauben an ein europäisches Miteinander aller Völker
positiv zu befeuern.

Und zweitens ist das fast achtzehn Jahre her.

Dabei bin ich seit Monaten vorbereitet (weil ich auf alles versuche, Monate vorher
vorbereitet zu sein):
Ich habe eine eVB-Nummer, alle Papiere,
habe die alten Nummernschilder unterm Arm dabei,
und die Neuen auch schon.

Ich weiß, das hier sind genau
diese Momente, in denen Du mich
für einen Spießer hältst. Und mit Recht.

Ich habe das HU-Protokoll, die Abgaswerte UND die
EG-Übereinstimmungsbescheinigung, unterschrieben von Rupert Stadler.


Lachen Sie nicht!
Wenn der erst im Knast hockt, ist seine Unterschrift
vielleicht mal richtig was wert!
Historisch und so.

Und natürlich ist das Wunschkennzeichen seit Monaten reserviert.
Van Halen
, Sie wissen schon.

Als guter Deutscher zieht man natürlich auf einem Amt als allererstes
eine Wartemarke.
Also sitze ich kurz nach halb zehn brav mit der Nummer 062 und meinen
Habseligkeiten in der letzten Reihe und habe zu diesem Zeitpunkt 9 Leute vor mir.


In vieler Hinsicht haben die Beamten (die in der großen Mehrzahl weiblich sind)
auf der Zulassungsstelle dazugelernt, wie ich feststelle:

Als Besucher sitzen Sie mit dem Rücken zu den Schaltern - was bedeutet,
dass Sie als jemand, der dort arbeitet, eben nicht den ganzen Tag angegafft werden
von wartenden Menschen unterschiedlichster Kulturen und heterogenstdenkbarer
Respekthaltung vor Beamten. Oder Beamtinnen.

Dafür schauen Sie auf große Flatscreens an der Wand.
Es laufen Nachrichten durch, und der Wartenummernzähler zeigt Ihnen an,
wessen Nummer gerade dran ist.



Es geht entsetzlich langsam vorwärts, denke ich mir, was da nur so lange dauert.
In wenigen Minuten werde ich es wissen, aber das ist mir da noch nicht klar.

Ich sehe mich unter den Wartenden um, denn ich sitze mittig in der letzten Stuhlreihe
- pole position für Menschenbeobachter :-).

Offenbar verhält es sich mit Autos, die umgemeldet werden müssen, ganz ähnlich
wie mit Kindern - zumindest wenn man die Geburtenanzeigen und die Namen
in den Zeitungen so nebenher beim Kartoffelschälen liest:
Kaum noch Menschen da, bei denen man ihre Eltern betreffend
eine inländische Abstammung vermuten dürfte.

Erstaunlich oft werden Nummern vor mir mehrfach durch die Lautsprecher aufgerufen - und
dann ist Keiner da?! Offenbar wurden dem Einen oder Anderen die Warteminuten zu lang.
Oder es passte nicht in seine Wertewelt oder Tagesplanung, zu warten?

Na egal - besser für mich.
Und schon nach einer knappen halben Stunde wird meine 062 aufgerufen.

Die Frau am Schalter begrüße ich freundlich, richte ortogonal zum Tresen meine Papiere
sauber geordnet aus der Mappe her und reiche ihr Eines nach dem Anderen auf Verlangen.

Während sie meine Daten eintippt und die Formulare vorbereitet, bekomme ich
an den benachbarten Schaltern mit, weshalb hier alles so lange dauert:
Offenbar bin ich der Einzige, der vernünftig vorbereitet hier aufgeschlagen ist
und alle seine Unterlagen dabei hat?!

Der unrasierte Südostländer in der Jogginghose am rechten benachbarten Schalter braucht es 6x (!)  erklärt, dass er eben KEIN abgemeldetes Fahrzeug vorweisen könne, sondern ein KFZ
mit Zollkennzeichen. Und ein solches könne nicht eben mal umgemeldet werden.

Der andere ältere Südländer -am Schalter links- hat weder KFZ-Brief noch Abmeldebestätigung dabei und will ein zuletzt 1974 angemeldetes Fahrzeug "erstmals zulassen".
Die Dame erklärt ihm ruhig und gewissenhaft volle 4x, dass er Eigentumsnachweise beibringen
müsse und man eine Bestätigungserklärung aus Italien brauche - die koste 12,80 Euro und
würde sicherlich ein paar Wochen dauern.

Beide Herren reagieren -im wohlwollendsten Sinne eines europäischen Integrationsgedankens
formuliert- irritiert bis erregt.

Währenddessen habe ich alle Formulare unterschrieben, meine Kassenquttiung bekommen,
an der Amtskasse meinen Obulus entrichtet und da wird meine Nummer auch schon
zum Ausgabeschalter aufgerufen.

Die junge Dame ist sehr nett und setzt ab dem Moment eine geradezu
Megan-Markle-bei-ihrer-Hochzeit'sches Lächeln auf, als ich mich für die regenbedingt
noch leicht strassenfeuchten Nummernschilder entschuldige, während ich diese an sie aushändige.
Sie wirkt nicht, als würde sie so was oft zu hören bekommen.

5 Minuten später habe ich meinen Euro am Parkautomaten entrichtet und montiere
in der Tiefgarage des Landratsamtes meine neuen Schilder an Bessy.

Ab heute bin ich Privatwagenfahrer.



So.
Und als Nächstes wollen wir mal in Erfahrung bringen,
was heutzutage so der Sprit kostet.

Das letzte Mal aus eigener Tasche eine Tankfüllung bezahlt habe ich nämlich
im August 2002.

Dienstag, 22. Mai 2018

ein Feiertag im Garten


[ alternativer post title:
"Birds in motion - reloaded" ]

Die Ruhe, das tolle Wetter und mein Grill
waren genau, 
was ich gebraucht hatte:

Der Akku ist wieder voll.]

Neu im Garten angekommen:
ein Specht, ein Kleiberpärchen, eine Tarn-Ziege,
2 Hornissen, 4 Maisenküken und
eine schwarzblaue Libelle.

Und eine neue Teichbewohnerin,
sie heißt Sissi.
Und quakt. Laut und viel ;-) ]