Samstag, 5. August 2017

starker Kamillentee



Freitag war die letzte Runde der großen Privatpatienten-Hafenrundfahrt angesagt.
Einmal in die Landeshauptstadt rein in die Klinik.

Bzw. zweimal - einmal zum Vorgespräch und dann zur eigentlichen Untersuchung
4 Tage später nochmal.



Gebucht  im Rahmen der Hafenrundfahrt bei Prof. Dr. Cptn. Iglo war die "Dreifaltigkeits-Tour",
bestehend aus Sono, Gastro, Kolo.
Stand jedenfalls genau so auf der Visitenkarte drauf, die mir die Hausärztin
vom Klinikum gegeben und handschriftlich ergänzt hatte.

Der Vorgesprächstermin bestand aus folgenden Zeitanteilen:

  • 85% die richtige Station im Krankenhaus finden - und das trotz 4x
    an verschiedenen Stellen nachfragen und Antworten in unterschiedlicher
    Länge, Güte und Freundlichkeit erhalten
    ("wir haben hier EBENEN, keine STOCKWERKE!!")
  • 10% Formulare, Warnhinweise und Enthaftungsbestätigungen (sowie sämtliche Kostenübernahmen und sofortige Überlassung des Erstgeborenen) durchlesen und unterschreiben
  • 5% Vorgespräch mit dem Behandler

Die Sonographie ist pillepalle:
Sie werden mit Gel auf einer Liege ruhend eingeseift.
Und dann fährt der Doc mit einem Deoroller mit Kabel dran über ihren Bauchraum
und alles, was Sie hin und wieder tun müssen, ist tief einatmen und die Luft anhalten.
(Auch, wenn Sie Führungskraft sind: DAS kriegen Sie hin!)

Das Ergebnis war nicht überraschend: Kein Befund, aaaaber.

"Sehen Sie die hellen Stellen da, rund um die Niere? Und hier, um die Leber herum?"
"Äh...ja?!"
"Das ist ein kleiner Speckmantel. Wäre gut, wenn Sie den
noch loswürden, aber das wissen Sie vermutlich?"

"Ja-haa!"


Dann kam im Doppelpack Magenspiegelung und Darmspiegelung.
Ich sag's Ihnen gleich: Die harmloseste Prozedur/Behandlung, die Sie JEMALS mitmachen werden!

Sie bekommen genau genommen gar nichts mit, denn Sie liegen die ganze Zeit
anästhesiert auf der Liege und wenn Sie aufwachen, ist alles gelaufen.

Hinterher kein Brennen in der Kehle beim Schlucken, kein knuspriges Gefühl um die Rosette,
alles easy.
(was Sie am nächsten Morgen neben MIR aufwachend
nicht ausnahmslos von sich werden behaupten können)

Sie ziehen sich aus, bekommen OP-Socken und OP-Slip,
legen sich hin, bekommen einen Zugang gelegt (bei mir war's die rechte Hand), und sobald
der Arzt da ist, kriegen Sie eine Betäubungslösung dort rein, die aussieht, wie frische Kuhmilch.

Dann brennt es kurz in der Schulter und dann kriegen Sie nicht mal mehr mit, wie Sie wegklappen.

Das mit Abstand Unangenehmste ist der Tag DAVOR.
Da dürfen Sie nämlich daheim anfangen, den Darm zu entleeren - beispielsweise mit Endofalk.
Endofalk kriegen Sie aus der Apotheke, ein weißes, nach Obstgeschmack riechendes Pulver, das Sie in Wasser (keine Säfte!!) einrühren.

Das Gemeine:
Das Zeug riecht nur nach frisch.
Aber es schmeckt wie...wie....

Nachfolgender Dialog (geführt mit einer erfahrenen Frau) mag Ihnen als grobe Orientierung dienen.



Und das Entsetzliche ist, dass Ihnen beim Durchzählen der Beutel aus der Verpackung
klar wird, dass da 10 (ZEHN) Beutel drin sind.
Jeder Beutel ergibt 500 ml.

Zehn ergeben also FÜNF LITER.
Und DIE TRINKEN SIE, laut Anweisung.
Es sei denn, Sie kommen früher zum Ziel.

Das Ziel heißt, eine Farbe und Konsistenz beim Stuhlgang zu erreichen,
welche im heutigen post-title beschrieben ist.
Und JA, das steht genau so in der Gebrauchsanweisung drin, lachen Sie nicht.

Bei MIR waren es viereinhalb Liter bis das soweit war.

Wissen Sie, wie ekelhaft es ist, viereinhalb Liter runterzudrücken,
wenn Ihnen nach dem zweiten Beutel bereits zum Kübeln ist?
Ich sag nur: Bukkake-Party im Schwabenland.

Übrigens war eine hübsche, sehr junge Asiatin als Krankenschwester-Azubiene
mit im Untersuchungszimmer.

(Himmel, wie weh das tun kann, 4 min am Stück den Bauch einzuziehen,
wenn man noch auf der OP-Bettkante sitzt!)

Ihre ältere Kollegin verkabelte und verklebte mich noch und fragt so smalltalk-mäßig,
weshalb ich heute hier sei und die Untersuchungen machen lasse.

Und ich so: "Aus purer Genusssucht!"

Die Asiatin hat sich schier verschluckt an ihrem eignen Lachen.
Die anderen zwei (schwäbischen) Krankenschwestern zuckten nicht mal
einen einzigen Millimeter mit den Mundwinkeln.
Mentalitäten, Baby!

Hinterher im Aufwachraum musste ich noch 30 min liegen bleiben.



Hinter dem blauen Vorhang lag eine junge Frau, ebenfalls zum Aufwachen.
Die Pulsmesser an unseren Fingern piepten immer abwechselnd laut, wie die
Pommes-Friteusen bei McDonald's.
Immer abwechselnd.
Haben Sie (ganz) früher mal Pelota (oder PONG) gespielt?
Genau DER Ton!

Irgendwann fing ich an, meinen Puls auf ihren zu beschleunigen, sodass mein Piepen
IHR Piepen einholte.
Dann piepten unsere Herzen für eine kurze Zeit synchron,
bis ich Sterne vor den Augen hatte und langsamer atmen musste.
Woraufhin unsere Pulsschläge wieder zum abwechselnden Takt zurückkehrten.

Zwischendurch war ich kurz versucht, durch den Vorhang zu fragen,
ob SIE auch Lust hätte auf eine Caipirinha, wo ich doch den praktischen
Schwesternrufknopf in die Hand gedrückt bekommen hatte.


Aber das hab ich mich dann doch nicht getraut.
Man soll seinen Privatpatientenstatus nicht überreizen, fand ich.

Als ich abgeholt wurde, sah ich auf dem Weg nach draußen so viele kaputte, kranke Gestalten,
dass ich mir fest vornahm, hier nicht mehr freiwillig herzukommen.
Zumindest nicht, wenn es nicht wirklich unumgänglich ist.

Und bis zu den nächsten Routinespiegelungen hab ich ja jetzt 10 Jahre Zeit :-).


Fazit der Untersuchungen:
Tun Sie's!
Es ist harmlos, aber wichtig.


Kommentare:

  1. Respekt. Ich drücke mich davor, weil mir das Abführritual abscheulich erscheint.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es *IST* abscheulich. Aber man braucht das ja auch nur 2x in 10 Jahren machen. Insofern...

      Löschen
  2. Endofalk wurde bei mir in der Praxis gar nicht mehr verschrieben.
    Beim nächsten Mal würde ich nach Picoprep fragen, da gibts nur 2 Beutel zum Auflösen und ansonsten muss man nur genügend Wasser trinken. Das ist deutlich angenehmer! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ob ich mir DAS bis in 8-10 Jahren merken kann..^^
      Und bis dahin gibts vielleicht schon wieder ganz andere Medikamente.

      Löschen
  3. Find ich gut, dass sie die Untersuchungen machen lassen. Die Traute hat nicht jeder. Die zwei Beutel hatte ich auch, schmeckt trotzdem nicht. Und was kam bei der Untersuchung heraus. Ich kann jetzt alle drei Jahre erscheinen, weil sie mir was weggeschnippelt haben, das eventuell eine lebensverkürzende Wirkung haben könnte. Da macht man es doch wieder gerne.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es kam GAR NICHTS raus, mit Ausnahme eines leichten Reflux.
      Den ich seit Monaten nicht mehr bemerkt hatte, daher hab ich mich auch über das Rezept gewundert (Pantoprazol, glaube ich).
      Nun habe ich zusammen mit der angebrochenen Schachtel von daheim aus dem Apothekerschrank mehr als genug davon, um mögliche akute Beschwerden bis an mein Lebensende zu bekämpfen^^.

      Und übrigens steht Pedro seinerseits vor exakt Ihrem Schicksal - aber er drückt sich noch vor dem Wegschnippeln und der damit verbundenen 2-3-jährigen Wiederholung der Untersuchungen.

      Löschen
  4. Als Kassenpatient habe ich noch ein paar Jahre, bis ich zur Spiegelung antreten darf. Bei Problemen im Magendarmbereich wäre ich natürlich sofort beim Arzt. Aber diese Funktion ist bei mir so ziemlich die Einzige, die wie aus dem Lehrbuch abläuft. Selbst Antibiotika können daran nichts ändern ^^

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich verstehe nicht, wieso bei den Kassen ein bestimmtes Alter hier als Maßstab angelegt wird für so eine Untersuchung - niemand, absolut NIEMAND wird die freiwillig und aus reinem Spaß machen, daher ist von einem kostenmäßig aus dem Ruder laufenden Missbrauch kaum auszugehen.

      Und WOHL DEM, der untenrum alles in Ordnung hat^^.

      Löschen
  5. Also, ich hatte das auch mit Mitte vierzig, Schlaflosigkeit, genau die gleichen Tipps, wie "keinen Alkohol", "Hopfen", "Beruhigungstee" usw. Nix hilft, das nervige ist, dass man sich selbst psychisch belastet, weil man genervt ist. Am besten, habe ich festgestellt: locker bleiben. Isso.

    Ich bin nie auf die Idee gekommen, mich so "durchchecken" zu lassen, um etwas "auszuschließen", das ist für mich wie die Umkehrung der Unschuldsvermutung, der Arzt soll gefälligst einem Verdacht nachgehen und nicht nachweisen, was in Ordnung ist. Das hat was von Hilflosigkeit.

    Dann der Stress der Untersuchungen, psychisch, die Belastung durch das Entleeren, die Gefahren der Narkose, um dann festzustellen: "Heute haben wir nichts gefunden." Dieser Befund sagt nichts, aber auch gar nichts aus. Vielleicht hat man was und sie haben es übersehen oder sie finden was, was sich später als doch nix herausstellt. Oder man kriegt's morgen. Dann finden sie es erst beim nächsten Mal. Gibt's alles. Aber die Angst vor dem Ergebnis hat man durchlebt, die einen auch krank machen kann.

    Einer der Klitschkos macht auf derart perfide Weise Werbung mit seiner Frau für die große Hafenrundfahrt, dass es mir den Blutdruck hochtreibt und _das_ ist ungesund.

    Ich finde, ein sehr interessanter Blogbeitrag. Wenn der letzte Satz nicht gewesen wäre, hätte ich das nicht geschrieben. Jeder soll es machen, wenn er will, aber bitte, bitte die Hafenrundfahrt nicht mehr als "wichtig" bewerben. Ach, ich reg' mich schon wieder auf ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. LOCKER BLEIBEN.

      Legionen von Psychotherapeuten gründen wesentliche Teile ihrer Existenzgrundlage darauf, dass es Menschen wie mich gibt, denen die guten Worte allein eben nicht helfen diesbezüglich.

      Und ehrlich? Es GAB diverse Ursachenvermutungen durch die Ärztin, alle waren mit meinen Symptomen gut begründbar und mir erläutert.
      Das Blutbild und das EEG haben diese Möglichkeiten ausgeschlossen, somit bleibt es bei jener, die als Anfangsverdacht auch schon recht bald im Raum stand: Psyche.
      Und hey, wofür zahle ich seit Jahrzehnten die KV-Beiträge, doch wohl auch, um im Bedarfsfall exakt bestimmen zu können, was es ist und was es nicht ist.
      In welcher Reihenfolge was feststeht, ist dabei Zufall. Je nachdem, wo man zuerst einen Termin bekommt.

      Und ich bleibe auch bei meiner Empfehlung, dass die "große Hafenrundfahrt" eine wichtige Untersuchung ist.
      Zumindest so etwa ab meiner Altersgruppe und aufwärts :-).

      Löschen
  6. Bereits erledigt - Danke für die Erinnerungen. Also ich blieb wach, dachte da will ich dabei sein. Wann kann man schon mal in sich selbst schauen. Bei mir hat der Doktor zu beginn nur einen Satz gesagt:" wir fliegen zum Mond und schaffen es nicht Zeug zu erfinden das zum entleeren nach etwas leckerem schmeckt....." was soll ich sagen - der Mann hat recht. Und du hast dir eine super Show entgehen lassen Rain, wir sehen Ihnen echt cool aus.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe ein Dutzend FARBFOTOS mit bekommen, samt des Berichtes.
      Muss sagen, von innen sieht so ein Mensch doch unspektakulärer aus, als man sich das vorstellt^^.

      Löschen

Hinterlassen Sie an dieser Stelle ruhig Ihre Gedanken - in dem Bewusstsein, dass Sie sich hier in meinem Wohnzimmer befinden und bei mir zu Gast sind.

Ich freue mich über Ihren Kommentar, wenn er dies beherzigt, aber ich lösche ihn, wenn er sein Gastrecht missbraucht.

Und sofern Sie auf Ihren Kommentar eine Antwort von mir haben möchten, erkenne ich das daran, dass er nicht anonym und ohne Namenszeichen abgegeben wurde.